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Deutsche Geschichte an konkreten Orten erleben – Gedenkstättenfahrt nach Berlin

Gedenkstättenfahrt nach Berlin Vom 16.7. – 20.7.2018 hat sich das CJD Zehnthof Essen mit 15 Azubis der verschiedensten Gewerke (Garten- und Landschaftsbau, Maler, Hauswirtschaft, Gastronomie und Verkauf) unter in Begleitung von vier Mitarbeiter/Innen des CJD Essen auf eine Bildungsreise zu Gedenkstätten der Opfer des Nationalsozialismus nach Berlin begeben.

Unter dem Motto: „Deutsche Geschichte an konkreten Orten erleben – Demokratiebewusstsein entwickeln“ führte die einwöchige Gedenkstättenfahrt die Teilnehmer/Innen zu ausgewählten Orten nationalsozialistischer Gedenkstätten und bot den jungen Erwachsenen eine Gelegenheit zu einer differenzierten und reflektierten Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Im Vordergrund der Fahrt stand die Auseinandersetzung mit den Themen Opfer, Täter und Widerstand im Nationalsozialismus.

Um auf die Fahrt zu den Gedenkstätten ausreichend vorbereitet zu sein, wurde die Thematik in einer Projektvorwoche im CJD inhaltlich vorbereitet. Hier erfolgte die Annäherung an den Themenkomplex durch einen allgemeinen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus und den Umgang mit dieser hin zu einer immer spezifischer werdenden Fokussierung auf die konkrete Geschichte des historischen Ortes. Die Teilnehmer/Innen näherten sich so der Ortsgeschichte mit den heutigen Gedenkstätten durch die beispielhafte Auseinandersetzung mit den Themen Opfer, Widerstand und Täter im Nationalsozialismus.

Im Zuge der Vorbereitungswoche wurde auch die Mahn- und Gedenkstätte Steinwache in Dortmund, welche die Ausstellung „Widerstand und Verfolgung in Dortmund 1933–1945“ beherbergt, besucht.

Zudem wurde sich beispielhaft mit den Kurzbiographien einzelner jüdischer Familien aus Essen-Steele, die den Nationalsozialisten zum Opfer fielen, auseinandergesetzt und diesen gewidmete „Stolpersteine“ aufgesucht.

Im Anschluss an die Vorbereitungswoche erfolgte die Fahrt nach Berlin. Die Reise begann mit dem Besuch der „Gedenkstätte Deutscher Widerstand“, und dem Besuch der Ausstellung „Stille Helden“, die sich im ehemaligen Bendler-Block in der Stauffenbergstraße in Berlin-Mitte befinden.

Bei einer Führung setzten sich die jungen Menschen mit den unterschiedlichen Widerstandgruppen der damaligen Zeit auseinander. Sie erfuhren, dass auch Jugendliche und junge Menschen, wie z.B. die „Weiße Rose“, oder die „Edelweiß-Piraten“, Widerstand gegen das NS-Regime leisteten. Mit ihnen konnten sich die Jugendlichen besonders stark identifizieren und waren beeindruckt vom Mut und von der Entschlossenheit der jungen Menschen, die sich gegen das bestehende Unrecht auflehnten.

Am Folgetag besuchte die Gruppe die Gedenkstätte KZ Sachsenhausen. Hier zeigte sich, dass das direkte Erleben vor Ort eine tiefgreifende Erfahrung für unsere jungen Erwachsenen darstellte. Alle zeigten sich während der Besichtigung durch das Lager tief betroffen und bestätigten, dass diese Empfindungen und Gefühle vor Ort in keiner Weise vergleichbar mit der theoretischen Auseinandersetzung dieses Themas im Unterricht sind.

Am vierten Tag wurden das Anne-Frank-Zentrum und die Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ besucht. Im Anne-Frank-Zentrum, als aktiven Lernort, erhielten die Teilnehmer/Innen eine Führung durch museumspädagogisch ausgebildete Jugendliche (Peer-Group-Education) und setzten sich nochmal mit dem Leben von Anne Frank auseinander.

Bei der Ausstellung „Wir waren Nachbarn“ wurde die Gruppe durch eine Stadtteilführerin durch das Bayrische Viertel in Berlin-Schöneberg, einen Ort mit ausgeprägter jüdischer Geschichte, geführt und suchte Stolpersteine und Orte auf, an denen Juden den Nazis zum Opfer gefallen sind. Zudem wurde die dazugehörige Ausstellung im Rathaus Schöneberg besucht, wo mittlerweile mehr als 159 jüdische biographische Alben zur Ansicht ausliegen.

Zum Abschluss der Fahrt wurde das Holocaust-Mahnmal in Berlin besucht, wo abschließend nochmals der Opfern des Nationalsozialismus durch eine Führung, sowie einer Gruppenarbeit gedacht wurde.

Im Anschluss an die Fahrt gab es einen Reflexionstag im CJD Zehnthof Essen, bei dem die jungen Menschen ihre Erlebnisse und Erfahrungen der Fahrt nochmal mit etwas Abstand reflektieren und einen Präsentationstag, bei dem sie den anderen Auszubildenden und Mitarbeitern des CJD Essen diese Erfahrungen vorstellten, vorbereiten konnten.

Am Ende der Fahrt zogen die Jugendlichen eine beeindruckende Bilanz. „Es war eine sehr emotionale und aufregende Fahrt für mich, auf der ich mehr über das Thema erfahren habe, als in meiner gesamten Schulzeit. Besonders bewegend fand ich die einzelnen Familienschickale, die mich sehr berührt haben.“ so Julian W., Teilnehmer des Projektes.

Nicht nur die Jugendlichen, sondern auch die Mitarbeiter waren begeistert und tief beeindruckt von der Fahrt. Die Erwartungen wurden voll erfüllt und das Ziel, die Teilnehmer für dieses schwierige Thema zu sensibilisieren, wurde erreicht.

Es zeigt sich, wie sehr die Begegnung mit den authentischen Orten die Jugendlichen bewegt hat und dass die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands ein wichtiger Bestandteil unseres Bildungsauftrags und für die historische, soziale und politische Bildung unverzichtbar ist.“ so Amelie Rotthoff, eine der projektverantwortlichen und begleitenden Mitarbeiterinnen.

Dank der Unterstützung des LVR konnte das Projekt umgesetzt werden und konnten die Jugendlichen fünf ereignisreiche Tage in Berlin erleben.

"Stolpersteine" in Essen-Steele
Gedenkstättenfahrt